Mein erster Marathon

METRO GROUP Marathon Düsseldorf 2017

Als ich am 30. April 2017 gegen 6 Uhr nach einer unruhigen Nacht aufwache, bin ich sofort hellwach: Raceday! Nach 280 Tagen auf der #RoadToDüsseldorf und 125 Vorbereitungsläufen mit 1.914 km, darf ich nun endlich meinen ersten Marathon laufen. Also zwei Bananen gequetscht, Müsli und Milch drüber und zusammen mit Kaffee die notwendige Energie für 42,195 Kilometer zugeführt.

So langsam erwacht mein Team  für diesen Tag: meine Frau Alex und unsere Freunde und Gastgeber für dieses Wochenende Angela und Olaf. Da ich am Vorabend schon alles bereitgelegt hatte, sind wir schnell abfahrtbereit.

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Quelle: privat

Mit der S- und U-Bahn fahren Alex, Olaf und ich an’s Rheinufer zum Start. Hier bin ich überrascht, wie gelassen alles abläuft und wie großzügig der Startbereich gestaltet ist. Keine Schlangen an den Einlässen zu den Startblöcken, kein Gedränge, keine Hektik. Dazu trägt sicherlich auch das wunderbare Wetter bei. Ich laufe mich gut 10 Minuten am Rheinufer ein. Als Wolf-Dieter Poshmann anfängt zu kommentieren, verabschiede ich mich von meinen zwei Supportern und begebe mich in den Startblock der 3:30 bis 3:59 Stundenläufer.

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Quelle: privat

Als um 9 Uhr der Startschuss fällt, bricht ebenfalls keine Hektik aus, sondern alle starten auf der mehr als ausreichend breiten Straße ohne zu drängeln, ohne riskante Überholmanöver oder ohne andere zu behindern. Das kannte ich von meinen bisherigen 24 Laufveranstaltungen anders.  Aha, denke ich mir, Marathonläufer wissen, dass  sie noch genug  Zeit haben, ohne schon am Start igendwelche Sekunden schinden zu müssen.

Kilometer 1 bis 7

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Quelle: http://www.metro-marathon.de

Alle rollen los und ich rolle die ersten Kilometer immer schön am Rheinufer mit. Schon nach kurzer Zeit steht dann auch, wie vereinbart, mein Supportteam erstmals an der Strecke.

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Quelle: privat

Zu so füher Zeit sind noch eher wenig Zuschauer unterwegs und auch noch keine Bands am Spielen. So konzentriere ich mich, nicht zu schnell loszulaufen, Das gelingt auch sehr gut, da mein Puls auf den ersten 5 Kilometern gerade einmal 75% der maximalen Herzfrequenz beträgt.

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Quelle: privat

Nach sieben Kilometern hole ich mir von Alex und Olaf schon die nächste Motivation und danach geht der Marathon erst richtig los.

Kilometer 8 bis 15

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Quelle: http://www.metro-marathon.de

Nun zeigt sich, dass die Düsseldorfer Straßenparty können. In jeder Straße stehen jetzt Bands, Anwohnergruppen mit Musik, Vereine und Unternehmen mit Tischen und Stühlen. Es beginnen die Achim-Rufe von den Zuschauern, die meinen Namen auf der Startnummer erspähen. Bei 12 höre ich auf zu zählen. Auch werde ich am Schluss nicht mehr wissen, wieviele Hände ich in diesen knapp vier Stunden abgeklatscht haben werde.

Bei Kilometer 11 steht dann auch schon wieder meine Crew. Kurz vorher gab es mit 100g Apfel-Bananenmus den ersten Teil meiner Rennverpflegung.

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Quelle: privat

Mit frischem Schwung geht es Richtung Oberkasseler Brücke. Auf der Bücke kommt mir dann Julian Flügel mit seinen Pacemakern entgegen. Schauen schon recht angestrengt aus…

Kilometer 16 bis 22

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Quelle: http://www.metro-marathon.de

Auch auf der anderen Rheinseite herrscht Partystimmung. Davon getragen geht es weiter Richtung Seestern. Hier ist es ruhiger und der Wind frischt auf. Trotzdem laufe ich locker mit einem Trainingspuls von ca. 80% der maximalen Herzfrequenz. Kurz vor der Verpflegungsstation am Kaiser-Friedrich-Ring schiebe ich mir mit dem ersten von zwei Riegeln konzentrierte 160 kcal rein.

An der Halbmarathonmarke bin ich auf 3:45 Stunden-Kurs und der Meinung, bisher ein perfektes Rennen gelaufen zu haben. Meine Euphorie erhält kurze Zeit später auf der Oberkasseler Brücke zurück zur Altstadt allerdings den ersten Dämpfer: durch den starken Gegenwind auf der Brücke kann ich erstmals das Tempo nicht mehr halten.

Kilometer 23 bis 30

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Quelle: http://www.metro-marathon.de

Kilometer 24 bis 27 kann ich dagegen wieder zügiger gestalten. Das liegt zum einen am Publikum, dass an der Einbiegung zur Königsallee Spalier steht und lautstark anfeuert. Zum anderen an meiner lieben Alex, die mich einige Meter auf der berühmten Kö begleitet und mich dabei lautstark bejubelt.

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Quelle: privat

Zum dritten stehen kurze Zeit später an der Jägerhofstraße die irren Typen vom Team Essen ’99 mit ordentlich Beschallung und Hi-Five für jeden.

Ab Kilometer 28 ist der Traum vom perfekten Marathondebut ausgeträumt. Durch den starken Gegewind verliere ich einen meiner Magneten, mit denen meine Startnummer befestigt ist. Mit flatternder Nummer ordere ich bei verringertem Tempo bei meiner Frau per Smartphone Sicherheitsnadeln an der nächsten geplanten Begegnung bei Kilometer 33.

Kilometer 30 bis 35

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Quelle: http://www.metro-marathon.de

Der nächste Schreck wartet bei Kilometer 31. Während ich damit beschäftigt bin beim Laufen meinen nächsten Riegel auszupacken, hält mein Vordermann abrupt an, um sich den Schnürsenkel auf offener Strecke zu binden. Die unvermeidliche Kollision endet allerdings für beide ohne Sturz.

Inzwischen finden meine Fußsohlen und die Bänder und Sehnen meiner Knöchel Asphaltlaufen doof und auch mein Nacken meldet Protest an. Seufzend überlasse ich die 3:45 Stunden-Marke dem weiterhin an meiner Startnummer zerrenden Wind und sehne Kilometer 33 entgegen. Dort findet dann endlich der Boxenstopp inklusive Küsschen und Hi-Five statt und die Flatterei über meinem Bauch ein Ende. Bei Kilometer 34 gibt sich eine geile Punkrockband alle Mühe, mich wieder in das Rennen zurückzupushen, doch inzwischen ist mein Puls in Richtung rotem Bereich unterwegs und es wird anstrengend.

Kilometer 36 bis 40

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Quelle: http://www.metro-marathon.de

Von der Schleife durch den Medienhafen bekomme ich leider nicht viel mit, denn mein Pulsgurt beendet seinen Dienst und will mir einen Puls von 120 Schlägen weismachen. Nun knabbere ich an der Frage, ob ich das Tempo nochmal erhöhen soll, um die 3:50 Stunden-Marke zu unterbieten, oder lieber auf Nummer sicher gehen will. Ich entscheide mich, den Marathon lieber sicher laufend zu beenden als ohne Pulskontrolle in einen Krampf oder ähnliches hineinzulaufen. Als die Entscheidung bei Kilometer 37 gefallen ist, durchströmen mich zum ersten Mal alle Drogen, die der Körper eines Läufers so bereit hält und die Gewissheit, diesen Marathon bald gerockt zu haben.

Zieleinlauf

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Quelle: http://www.metro-marathon.de

Wie geil ist das denn: Queen, Lady-Gaga und so ein Energie-Boost-Schild auf dem 40. Kilometer.

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Quelle: https://de.1jux.ne

Schon seit einiger Zeit sammle ich Läufer um Läufer ein, die dem Ziel nur noch entgegengehen können. Die Erleichterung darüber, noch mit einem Tempo von über  10 km/h unterwegs sein zu können/dürfen, beschert mir das nächste Runners-High. Und als ich dann den Schwung eines kurzen Abstiegs zum Rhein hinunter nutzend mit einem ordentlichen letzten Kilometer von 5:18 Minuten auf die Zielgerade einbiege, brechen alle Dämme. Jubelnde Düsseldorfer zur Rechten, den Rhein mit seinen Schiffen zur Linken, Wolf-Dieter Poschmann im Ohr und mit viel Pipi in den Augen darf ich den lang ersehnten Zieleinlauf genießen.

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Quelle: privat

Marathonfinisher

Nach dem ich mich artig für meine Medaille bedankt habe (wie auch vorher bei allen WasseranreicherInnen an den Verpflegungsstellen),  gehe ich ganz langsam und völlig benommen Richtung Zielverpflegung und warte auf den Zusammenbruch, der nicht kommt. Ich trinke etwas Wasser, esse jeweils einen halben Krapfen und Riegel und stehe kurze Zeit später am Schlossturm und warte auf meine Leute.

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Quelle: privat

Auf meinem Smartphone sehe ich erst jetzt, dass diverse Whats-App-Gruppen und meine Community auf Facebook während meines Rennens mitgefiebert hatten. Auch treffen die ersten digitalen Gratulationen ein. Vor Rührung schießen mir erneut Tränen in die Augen. Da mein Kreislauf beschließt, für heute genug getan zu haben, kühlt mich der Wind sehr rasch aus, so dass Alex und Olaf zum Aufbruch blasen.

Ich weiß nicht, wie lange ich dieses Dauergrinsen im Gesicht hatte.

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Quelle: privat

Ich weiß nur noch, dass es ein perfekter Nachmittag bei selbst gebackenem Kuchen, Kaffee und Magnesium auf der Sonnenterasse unserer Gastgeber war. Die sozialen Netzwerke spülten mir im Minutentakt Glückwünsche, Respektbezeugungen und  anerkennende Worte in meinen Endorphin-Adrenalin-Cocktail. Und so gelangte ich innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem Marathon zur Erkenntnis, dass ich einen sehr guten ersten Marathon auf das Düsseldorfer Pflaster gezaubert habe. Und das glaube ich noch heute…;-)

METRO GROUP Marathon Düsseldorf 2017
Distanz: 42.195 km / Dauer: 03:52:53 / Pace: 05:31

Zahlen, Daten, Fakten zum Lauf

Unbenannt

RUNALYZE / STRAVA / GARMIN CONNECT

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6 Gedanken zu “Mein erster Marathon

  1. Hallo Achim,

    super Bericht über Deinen ersten Marathon 👍🏻😎

    Nochmals herzlichen Glückwunsch zu Deiner Leistung.

    Ich hoffe wir treffen uns mal auf einer Laufveranstaltung in der Region.

    Viele Grüße

    René

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo René, vielen Dank für das schöne Lob aus berufenem Mund. Werde in den nächsten Wochen den Rest der Saison planen. Wäre toll, wenn ein Treffen klappen könnte. Was sind denn Deine Pläne! VG Achim

      Gefällt mir

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